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Leseprobe Pralinenschachtel:
​Der kleine Engel
​und die Musik

Der kleine Engel und die Musik
(Weihnachtsgeschichte)
 
»Ich bin drin!«
Der kleine Engel überschlug sich fast vor Aufregung. Seine Stimme kiekste.
»Stell dir nur vor, ich bin endlich drin!«
Mühsam bremste er seinen Lauf. Um ein Haar hätte er seinen Freund umgerannt.
Der kleine Stern blinzelte mit den Augenlidern.
»Wo bist du denn drin?«
»Na, in der Musikklasse bei Gabriel! Das habe ich mir doch schon so lange gewünscht!«
Der kleine Engel war immer noch völlig aus dem Häuschen.
»Das ganze Jahr immer nur Singen und Jubilieren bei Michael, und jetzt, kurz vor Weihnachten, darf ich endlich zu Gabriel und ein Instrument spielen. Das ist … Das ist wie …«
Er überlegte, doch ihm fiel kein Vergleich ein.
»Wie Weihnachten und Ostern zusammen?«, schlug der kleine Stern vor, doch der kleine Engel schüttelte den Kopf.
»Noch viel toller! Eher wie Weihnachten und Weihnachten zusammen.«
»Weihnachten und Weihnachten – aber … Das geht doch gar nicht!«
Der kleine Stern war verwirrt, doch der kleine Engel beachtete ihn gar nicht. In Gedanken war er schon einen Schritt weiter.
»Ich muss mich unbedingt um ein Instrument kümmern. Das stand nämlich mit auf dem Stundenplan: Instrumente selbst mitbringen, der Körpergröße entsprechend.«
Er reckte sich.
»Was meinst du, welche Größe ich brauche? Doch wohl mindestens M, oder L, wenn nicht gar XL?«
Der kleine Stern schaute sehr skeptisch drein. Seiner Meinung nach war XS eher angemessen, doch er hütete sich, das laut zu sagen.
»Was für ein Instrument brauchst du denn?«, fragte er stattdessen.
Der kleine Engel sah von oben auf ihn herunter und sagte: »Ein Akkordeon, was denn sonst!«
Der kleine Stern blinzelte noch einmal mit den Augenlidern.
»Ein Akkordeon?«
»Ganz richtig.«
Der kleine Engel nahm wieder seine normale Haltung an, mit hängenden Schultern, den Kopf leicht schräg gelegt, auf lässig und cool machend, oder vielmehr das, was er für lässig und cool hielt.
»Ein Akkordeon, auch Ziehharmonika genannt, Schifferklavier, Quetschkommode oder Zerrwanst. Meinetwegen auch Bandoneon. Eben so ein Zieh-auseinander-knautsch-zusammen, Zieh-auseinander-knautsch-zusammen.«
Er begann zu trällern. Der kleine Stern betrachtete ihn umso erstaunter, hielt sich jedoch erneut mit einem Kommentar zurück und wartete geduldig, bis sein Freund mit der Trällerei fertig war.
»Und du bist dir ganz sicher, dass ein Akkordeon das richtige Instrument ist?«, fragte er dann.
»Todsicher.«
Der kleine Engel ruckte mit dem Kopf, dass ihm eine Haarsträhne ins Gesicht fiel, und wackelte mit der Augenbraue. Auch das hielt er für lässig und cool.
»Hafenmusik Level I, bei Gabriel – was wäre da wohl richtiger als ein Akkordeon? Du wirst sehen, das Akkordeon wird mein neues Baby. Und du weißt ja – mein Baby gehört zu mir.«
Damit drehte er sich um und ging mit großen Schritten und wiegenden Hüften über den Wolkenteppich davon.
Ein Akkordeon organisieren – das konnte ja wohl nicht so schwer sein!
Im Wünscheerfüllen war er inzwischen ziemlich gut, da würde er sich diesen Wunsch doch wohl im Handumdrehen erfüllen können.
Eine halbe Stunde später wusste er, dass es mit den Akkordeons im Leben nicht so einfach ist. Sein erster Wunsch – ein Akkordeon für Anfänger, Größe M – war vom Wunschzentrum zurückgewiesen worden. Unerfüllbar, zu unpräzise. Daraufhin hatte er sich sein Tablet geschnappt und das Internet befragt. Der Heilige Google fand über eine Million Einträge. Zutiefst verwirrt nahm sich der kleine Engel den Wikipedia-Artikel zum Stichwort »Akkordeon« vor, was ihn jedoch noch mehr verwirrte. Da war die Rede von wechseltönigen und gleichtönigen Instrumenten, von einreihigen und mehrreihigen, von Piano- und Knopfakkordeon, ganz zu schweigen von den vielen regionalen Unterarten.
Ob der Erzengel Gabriel wohl wirklich das gemeint hatte mit seinem Musikunterricht?
Der kleine Engel schob die Unterlippe vor.
So leicht würde er sich nicht unterkriegen lassen! Bestimmt war das der erste Test, ob man auch taugte für die Musikklasse. Ob man es schaffte, sich das richtige Instrument zu besorgen.
Er straffte die Schultern.
Nur die Harten kommen in’n Garten!
Das wäre ja gelacht, wenn es ihm nicht gelänge, sich ein passendes Akkordeon zu beschaffen!
Am Ende fand er eins, auf ebay, spielfertig und in der hoffentlich passenden Größe. Er wünschte sich rasch einen PayPal-Account, natürlich mit genügend Geld drauf, bezahlte das Instrument und wünschte es sich per Express direkt auf seine Wolke.
Da stand es mit seinem Pappkoffer. Der kleine Engel ließ die Schlösser aufschnappen, hob den Deckel und betrachtete sein neues Baby.
Schön sah es aus.
Schön und furchteinflößend.
Es erschien ihm riesig, wenn er es auch nie zugegeben hätte. Vorsichtig griff er danach, doch der erste Versuch, es aus dem Kasten zu nehmen, zeigte ihm, dass er sein Baby kolossal unterschätzt hatte.
Das Ding wog mindestens eine Tonne. Okay, eine halbe, aber auch das war noch grottenschwer.
Ächzend zog er sich das Instrument auf den Schoß, richtete es auf und fuhr mit den Armen in die ledernen Schulterriemen.
Verflixt, war das Biest schwer!
Er probierte ein paar Tasten, zog an der linken Seite, schob dann wieder, zog, schob, drückte mal diese Taste, mal jene.
Das Ding war und blieb ein widerspenstiger Kasten. Nicht unbedingt das, was er sich für seinen Einstieg in die Musikklasse bei Gabriel erhofft hätte. Das wäre nämlich ein Instrument gewesen, das man einfach in die Hände nahm, das fast von allein Töne produzierte, die auch immer wohlgefällig klangen, ob man nun die richtigen erwischt hatte oder auch mal nicht …
Seine Hand rutschte ab, landete auf einer Taste. Es quäkte unsäglich.
Der kleine Engel seufzte, wurstelte sich aus den Schulterriemen heraus, verriegelte das Instrument und hievte es zurück in den Kasten.
Da lag es, sein Baby, und sah so harmlos aus, so friedlich.
Insgeheim aber fragte er sich, ob ihm wohl damit Erfolge beschert sein würden bei seinem ersten Besuch in der neuen Klasse.
 
Pünktlich am nächsten Morgen fand er sich ein vor der Wolke, die für Gabriels Musikunterricht reserviert war. Ein paar von den anderen Engeln waren schon da, alle etwas größer als er. Vor allem aber sahen die Koffer und Taschen, in denen sie ihre Instrumente mitbrachten, ganz anders aus. Nicht so kastig und kantig wie bei seinem Baby, eher schlank und langgestreckt.
Blicke trafen ihn, seltsame, fragende Blicke. Oder nein, nicht ihn, sondern den Koffer mit seinem Baby.
Was hatten die denn für ein Problem?
Der kleine Engel reckte sich und packte den Griff des Koffers, ganz fest.
Sollten sie doch denken, was sie wollten – er und sein Baby, sie würden es ihnen schon zeigen!
Er suchte sich einen Platz in der ersten Reihe. Da ertönte auch schon ein lautes Rauschen, und im nächsten Augenblick kam der Erzengel Gabriel heran, mit einem gewaltigen Schlag seiner Schwingen.
»Guten Morgen, Klasse!«
Er klappte seine Flügel zusammen und sank vor ihnen herab.
»Ihr dürft euch setzen.«
Ehrfürchtige Stille ringsum, während sich die Engelsschüler auf ihre Wölkchen plumpsen ließen.
»Wir haben einige Neuzugänge bei uns, also lasst uns sehen, was ihr an Instrumenten mitgebracht habt.«
Dies war offenbar das Stichwort. Ringsum wurden Instrumentenkästen und Futterale in Stellung gebracht. Der kleine Engel hievte den Akkordeonkasten auf das Wölkchen neben ihm, öffnete die Schlösser und klappte den Deckel auf.
»Wie interessant!«, sagte da eine Stimme direkt über ihm.
Dem kleinen Engel stockte der Atem. Er hatte gar nicht bemerkt, dass der Erzengel Gabriel sich direkt vor ihm aufgebaut hatte.
»Lass uns sehen, was du mitgebracht hast, Kleiner! Zeig der Klasse dein Instrument!«
Der kleine Engel griff zu, hievte sein Baby aus dem Koffer und hob es hoch.
»Weiß jemand, was das ist?«
Ratlose Gesichter ringsum, dann hob sich eine Hand, eine zweite, eine dritte.
»Ein Schifferklavier?«
»Das ist korrekt.« Der Erzengel senkte den Blick, bis seine Augen die seines neuen Schülers fanden. »Und nun sag uns, Kleiner, weshalb du ein solches Instrument in unsere Klasse gebracht hast.«
Der kleine Engel sah den großen an, sah den Unglauben in seinen Augen, die stumme Frage. Sein Blick schweifte ab, fuhr durch die Klasse. Er sah die Instrumentenkoffer auf den Wölkchen, die Futterale – und erkannte plötzlich die Form.
Im selben Augenblick wurde ihm klar, was für Instrumente darin waren.
Er hätte sich ohrfeigen können. Wie blöd musste man sein?
Er senkte den Kopf. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so geschämt.
»Was hast du dir gedacht, Kleiner?«
Die Stimme des Erzengels war unerbittlich. Der kleine Engel druckste herum.
»Ich dachte … Nun, es war doch …«
»Harfenmusik, Kleiner!«
Die Stimme war zu einem mittleren Donner geworden.
»Nicht Hafenmusik! Ich nehme an, du kennst den Unterschied zwischen einer Harfe und einem Schifferklavier?«
Der kleine Engel nickte betreten. Er fühlte die Blicke der anderen auf sich ruhen, auch ohne hinzusehen. Und schämte sich in Grund und Boden, oder besser, in Wolke und Unterwolke.
Er streckte die Hand aus, langte nach dem Koffer mit seinem Baby, um ihn zu schließen – für immer. Dann würde er sich davonschleichen und nie mehr zurückkommen, so sehr schämte er sich.
»Warte!«
Die Stimme des Erzengels zerschnitt die Stille.
»Du bist ein Teil unserer Klasse. Und du bist richtig hier. Du hast nur nicht das richtige Instrument.«
Er hob die Hand, wedelte mit den Fingern.
Da lag plötzlich ein Futteral aus Stoff auf der Wolke, halb aufgeklappt, und darin – der kleine Engel konnte es genau sehen – eine Harfe, eine kleine, einreihige Harfe aus hellem Holz, genau wie für ihn gemacht.
»Nimm dein Instrument!«
Die Stimme des Erzengels war noch immer sehr streng, doch etwas freundlicher.
Zögernd streckte der kleine Engel die Hand aus.
Das Holz fühlte sich warm an, wenn auch die Saiten kühl waren. Er zog das Instrument in seinen Schoß, lehnte es sich gegen die Schulter und zupfte probehalber die Saiten.
Sie waren sogar gestimmt!
»Und nun, Klasse, lasst uns beginnen! Das Begrüßungslied bitte!«
Der Erzengel Gabriel schnippte mit den Fingern. Eine Tafel erschien, mit Notenlinien darauf. Dreimal der gleiche Ton, dann noch dreimal, und dann …
»Och nö!«
Nun gut, er war neu hier, und natürlich gab es für die Neuen zu Beginn etwas Einfaches, etwas ganz, ganz Superleichtes.
Also schön.
Er suchte sich die richtige Saite für den ersten Ton, warf einen Blick auf Gabriel, wartete auf das Zeichen für den Einsatz.
Ganz ehrlich, wie blöd musste man sein?
Harfenmusik mit Hafenmusik zu verwechseln …
Der Erzengel hob die Hand.
Der kleine Engel lehnte den Kopf gegen die Harfe.
Dies war sein Baby, sein neues Baby. Und sein Baby gehörte zu ihm.
Die Hand gab das Zeichen, und er reihte sich ein in das Spiel der anderen.
Ding-ding-ding, ding-ding-ding, ding-ding-dum-di-ding …
Es zerriss ihn fast, doch er unterdrückte den Drang aufzustöhnen. Natürlich, Mariah Carey wäre ihm lieber gewesen, aber manchmal war ein schlichter Klassiker durchaus eine gute Wahl.
Er spielte, fand blind die Saiten, wurde eins im Klang der anderen. Und ganz, ganz leise sang er dabei den Text mit.
Jingle Bells, jingle bells, jingle all the way …
​
Diese Geschichte ist auch Teil des Autoren-Adventskalenders 2025.
Den vollständigen Kalender findet ihr hier:
https://www.autoren-adventskalender.de

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